Manuelle Techniken und ihre Unterschiede

Bewegungstherapie, propriozeptives Training oder auch aktive Lauftherapie. Es gibt ein riesen Angebot an Therapiemöglichkeiten für dein Tier. Worin sich die bekanntesten Methoden unterscheiden und was sie genau bewirken, möchte ich in diesem Blogbeitrag versuchen dir näher zu bringen. Es gibt eine Menge fantastischer Therapien und auch Vieles was dich in die Irre leitet, wenn man sich nicht ein wenig auskennt. Der Anfang bei mir, bildete die Physiotherapie für Tiere. Hier lernt man in erster Linie den Bewegungsapparat kennen. Muskeln, Sehnen, Knochen, Nerven, Organe und auch die Faszien. Man lernt also wie man den Körper bestmöglichst in der Bewegung unterstützt. Begleitend in der Heilungsphase zum laufen, zur Unterstützung beim Älter werden, bei Wachstumsprobleme im juvenilen Alter oder auch einfach zum Wohlfühlen nach anstrengenden Zeiten. Man behandelt also Nerven, Muskeln, Sehnen, Faszien und kann auch mit einigen Therapiemethoden das Knochenwachstum unterstützen. Die Physiotherapie behandelt Muskeln, Sehnen und Faszien. Sie kümmert sich um die Gelenke durch Mobilisation. Das bedeutet aktives und passives durchbewegen, bis der individuelle Bestzustand erreicht ist oder bei einem Gelenktest zu erfühlen, ob im Gelenk noch alles in Ordnung ist. Manchmal fühlt man Krepitationen, Blockaden oder auch Ungereimtheiten. Ein Physiotherapeut begutachtet den ganzen Bewegungsapparat und beurteilt Differenzen im Gesamtzustand des Tieres und arbeitet sie zusammen mit dem Tierbesitzer auf.

 

Oft sind Dysbalancen der Muskulatur, alte Narben, Nervenprobleme, fasziale Dysbalancen oder auch Unterstützung nach Operationen, die Arbeit eines Physiotherapeuten. Jetzt gibt es eine Vielzahl an Therapien die in den Bereich der Tierphysiotherapie fallen: Physiotherapie, Manuelle Lymphdrainage, Muskelharmonisierung, Nervenmobilisation, Nervenbehandlung via Stromspannung (Tens/EMS oder auch mittlefrequenten Strom), Gelenksmobilisation, passive Bewegungstherapie, Diagnostik unter dem Reiter, Atemtherapie , Sportphysiotherapie, klassische Massage, Sportmassage, aktive und passive Dehnungsübungen, Krankengymnastik, Narbenbehandlung, Warm up, Cool down, Thermo- und Hydrotherapie, aktive Bewegungstherapie, Koordinations- und Gangschulung, taktiles sensomotorisches Training, Isometrisches und propriozeptives Training, Reha Training, Muskelaufbau u.v.m. Oft wird mit den wildensten Geschichten geworben, die im Endeffekt zum Großteil auf die Physiotherapie zurücklaufen.

 

Nur kommt hier wieder das altbekannte Problem zurück: Leider keine Einigung zwischen den Institutionen, was alles in einer Ausbildung/ Studium gehört, geschweige denn staatlich geklärt ist. Natürlich muss man schauen, dass man zwischen den Kollegen nicht untergeht. Allerdings muss man auch keine Augenwäscherei betreiben. Die Mehrheit der Kollegen erklärt sehr gut, womit sie arbeiten und was die Techniken auszeichnet. Wenn du dir dennoch unsicher sein solltest, frage am besten vorher nach, falls es nicht auf der Homepage erklärt wird. An solchen Punkten merkt man auch die Ehrlichkeit eines Therapeuten. Nimmt er sich für dich Zeit und erklärt es kurz (wenn schon nicht auf der Homepage) oder ignoriert er die Anfrage. Nur ein kleiner Wahrnehmungstipp am Rande.

 

Vor meinem Ausbildungsbeginn zum Physiotherapeuten lernte ich die Osteopathie an mir kennen. Ich war total fasziniert was dort alles dahinter steckt. Nun eins nach dem anderen. Die Osteopathie gliedert sich offiziell in 3 Säulen. Die Craniosacrale Therapie, viszerale Osteopathie und die strukturelle Osteopathie. Für viele gibt es eine 4. Säule. Die fasziale Osteopathie. Die craniosacrale beschäftigt sich in erster Linie um den Liquorfluss in der Wirbelsäule und die Bewegung der einzelnen Schädelplatten. Denn in diesem Bereich ist man der Meinung (wie auch ich), dass der Schädel egal ob Mensch oder Tier in viele einzelne Platten aufgeteilt ist und knorpelhaft verbunden sind. Diese Platten haben ihren eigenen Bewegungsradius, der durch eine Vielzahl an Problemen gestört sein kann. Jede Knochenplatte steht für ein anderes Problem. Diese können durch sanfte Techniken gelöst werden. Die viszerale Osteopathie beschäftigt sich mit der faszialen Organaufhängung an der Wirbselsäule. Probleme in den entsprechenden Faszien und Bindegewebe können zu Organproblemen und Blockaden führen. Es gibt Probleme mit der Motilität (Eigenbewegung des Organes), wie auch die Mobilität (Bewegung der Organe untereinander). Diese können mit speziellen Techniken gelöst werden.

 

Die strukturelle Osteopathie ähnelt der Physiotherapie. Viele Grundtechniken sind gleich. Man kann ja ein Gelenk das feste Bewegungsachsen hat auch nicht neu erfinden. Allerdings unterscheiden sich die Behandlungstechniken. Angeblich sollen die Techniken sanfter als in der Physiotherapie sein. Allerdings habe ich auch schon Osteopathen erlebt die wie ein Chiropraktiker mit der „High velocity low amplitude-Technik“ beim Blockenlösen arbeiten. Jeder hat es von seinen Dozenten anderst gelernt und gibt es so weiter. Dementsprechend gibt es wahnsinnig viele Missverständisse beim Tierbesitzer. Wie oft höre ich von brutalen Chiropraktikern und total sanften Osteopathen, die im Endeffekt wie ein Chiropraktor arbeiten. Hier scheiden sich eindeutig die Geister und die Therapeuten. Es gibt wahnsinnig tolle Chiropraktiker, bei denen nicht am langen Hebel gezogen und gerissen wird. Diese arbeiten so fein, dass man kaum eine Bewegung sieht, denn es ist nicht umsonst eine „schnelle intensive Technik“ (zur Erklärung: High velocity low amplitude= schnelle Bewegung in ganz kleiner Amplitude (Schwingungsweite)) und absolut faszinierende Osteopathen. Das Problem ist leider keine einheitliche Regelung.

 

Man sollte auch eine kleine weitere Unterteilung in der Osteopathie machen. Die strukturellen und energetischen Osteopathen. Das bedeutet nicht, dass sie mit Birkenstocksandalen ums Tier tanzen, sie arbeiten aber mit den körpereigenen feinstofflichen Energien. Das macht in meinen Augen nochmal einen großen Unterschied. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass der Osteopath ganzheitlicher arbeitet. Nun nochmal kurz zur indirekten 4. Säule der Osteopathie. Das Fasziensystem. Dieses darf nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr ignoriert werden. So viele körperlichen Probleme haben hier ihren Ursprung. Dementsprechend haben sie aber auch viele Funktionen und Aufgaben. Zum lösen der Faszien gibt es verschiednenste Techniken. Von Faszienrolle, Massagen, Stäbchen und Kugeln jeglicher Art und auch das myofasziale Faszienrelease. Dieses ähnelt oft dem „Handauflegen“. Wenn man es aber mal gespürt und den Unterschied gesehen hat, möchte man direkt mehr sehen. Der einzigste Nachteil, der ansich kein Nachteil ist, sondern nur ein gesellschaftliches Problem: Diese Technik geht nicht in 5 Minuten und das Tier braucht auch danach entsprechend Ruhe. Die Ergebnisse sind dennoch langlebig und faszinierend.

 

Die Chiropraktik habe ich jetzt oben bereits angerissen. Hier gab es früher die Regelung, dass nur Tierärtze diese Technik erlernen dürften. Mittlerweile dürfen es aber auch Physiotherapeuten mit abgeschlossener Ausbildung. Was man jetzt besser findet, bleibt jedem selbst überlassen. Auf der einen Seite muss der Tierarzt ein Studium hinter sich bringen und hat dadurch ein ernomes Wissen. Auf der anderen Seite gibt es Physiotherapeuten, die ohne Medizinstudium einen tollen Job machen. Schwarze Schafe gibt es im Veterinartherapeutenbereich mehr als genug. Das Stichwort in dieser Technik ist “High velocity low amplitude”. Schnelle ganz kurze, aber intensive Bewegung. Kein langer Hebel, kein Knochenbrechen oder ähnliches. Die beste Chiro ist die, die man kaum sieht =) Die Chiropraktik hat viel in den letzten Jahren unter ein paar Menschen gelitten. Also betreffend es Rufes und des TVs. Dennoch gibt es nicht nur schwarz und weiß, sondern dazwischen noch eine ganze Menge mehr. Aber Knochenbrecher ist nicht gleich Chiropraktiker. Genauso wie struktureller Osteopath nicht gleich energetischer Osteopath ist. Da sollten Grenzen gezogen werden. Es gibt in der Chiropraktik noch einen neuen Ableger: Die instrumentelle Chiropraktik. Hier gibt es spezielle Geräte, die einem den Impuls abnehmen. Es wird argumentiert, dass man so immer den gleichen kontrollierbareren Impuls hätte. Ich habe mit dieser Technik bisher keine Berührungspunkte gehabt und halte mich deshalb in diesem Bereich raus.

Nun komme ich zu einer Technik die so viele Verwirrungen schafft, dass es kaum zu Glauben ist, dass nicht noch mehr Leute darüber aufklären. Die manuelle Therapie. Im Grunde sagt der Begriff manuelle Therapie nur aus, dass der Therapeut mit seinen Händen ohne Hilfsmittel arbeitet. Viele Therapeuten schreiben sich manuelle Techniken aufs Banner. Hier ist meistens gemeint, dass die Person entweder nur physiotherapeutisch arbeitet oder auch Zusätze wie Osteopathie, Chiropraktik o.ä. absolviert hat. Wenn jetzt allerdings noch ein Name zur manuellen Therapie beigefügt ist, am Beispiel des Herrn Streecks im Humanbereich: Manuelle Therapie nach Streeck, dann wurden hier extra Griffe und andere Behandlungstechniken entdeckt, benannt und beigebracht. Diese werden nach ihrem Entdecker oder auch „Erfinder“ genannt und entsprechend gelehrt.

 

Die manuelle Lymphdrainage ist die gleiche wie im Humanbereich. Der Wasserhaushalt im Körper kann durch verschiedene negative Einflüsse beeinträchtigt werden. Diesen kann man mit einer „Art“ Massage wieder anregen und somit ein besseren Wassertransport unterstützen.

 

Warum schreibe ich also diesen Blogartikel? Es gibt über hunderte Behandlungstechniken für die verschiedensten Probleme. Als Tierbesitzer kannte ich es auch von früher…Und welchen Therapeuten sollte ich für mein Tier wählen? Höre dich um. Warum hat diese Methode beim Nachbarshund geholfen? Welche Methode wurde bei Pferd x in der Stallgasse versucht? Höre dich weitläufig um. Das Internet ist Segen und Fluch zugleich. Man kann sich gut informieren, aber sich auch total verrückt machen. Wenn man mal einen guten Therapeuten gefunden hat und du etwas anderes brauchst, frage nach. Oft haben wir ein Netzwerk an Kollegen, die man weiterempfehlen kann. Oder jemand der jemanden kennt. Keiner sollte aus Verzweiflung im Regen stehen und keine Hilfe finden. Eine Sache möchte ich hier noch unbedingt erwähnt haben. Eine Technik ist nur so gut wie der Therapeut. Wenn er sie nicht verinnerlicht und verstanden hat, gerät die Methode in Verruf. Das gilt für alle Therapien, die existent sind. Hier ist das große Problem, dass keine Einigkeit existiert. Gerade im Veterinärbereich (ausser die großen annerkanten Berufe wie Tierarzt und Tierarzthelferin etc.) ist es sehr schwierig etwas Einheitliches zu finden. Gerade Physiotherapie, Osteopathie und Chiropraxis werden sehr unterschiedlich unterrichtet. Und bitte lasse dich nicht von Begriffen irritieren. Die einen haben studiert, die anderen eine Ausbildung gemacht oder sonstige Titel. Es gibt kein einheitliches anerkanntes Level in diesem Bereich.

 

Der Markt boomt und es wird immer mehr. Natürlich auch durch den immer vorranschreitenden medizinischen Fortschritt. Es gibt so viele Kurse, Webinare und Ausbildungen, dass auch mal der Therapeut nachfragen muss. Deshalb hört dich bitte um. Oder frage den Therapeuten ein wenig aus. Ja wir haben alle keine Zeit heutzutage, aber für unsichere Kunden sollte man ein Ohr haben. Natürlich gibt es auch hier eine Grenze. Ein paar Fragen sind in Ordnung, wenn es allerdings eine ausufernde Geschichte wird, muss man hier entweder einen festen Termin buchen oder eine Telefonpauschale verlangen.

Warum habe ich Physio, Osteo und Chiropraktik belegt und mich nicht nur für eine Technik entschieden? Schlichte Neugierde gepaart mit Überzeugung. Für mich gibt es kein entweder oder…. Ich habe für mich bemerkt, dass viele Techniken sich überschneiden und ähnlen. Dementsprechend kann man die Techniken auch sehr gut verbindent anwenden. Ein kleines Achtung an dieser Stelle. Natürlich kann man es auch an Technikmischungen übertreiben, aber alles mit Bedacht gewählt und gut durchgeplant, kann es eine sehr gute Ergänzung sein. Natürlich muss man sich an die Rahmenbedinung einer Technik halten und die üblichen Punkte einer Behandlung beachten. Dennoch ist es sehr bereichernd wenn man mehr im Leben kennen lernt.

 

Natürlich muss hier auch erwähnt werden, dass es nicht umsonst „Spezialisten“ in jedem Bereich gibt, die sich auf ein Gebiet fokussiert haben. Ich habe viel mit Dozenten im Veterinärbereich, als auch im Humanbereich gesprochen. Von vielen kam die selbe Aussage: Die Kombination machts und das ohne eine Technik zu verteufeln. Es gibt eine Menge Techniken, die falsch verstanden werden und zu wenig Zeit in der Ausbildung bekommen. Beispielsweise der Osteopath. Bei den Tieren ist es im Durchschnitt 1-2 Jahre Ausbildung. Im Humanbereich sind es knapp 5 Jahre. Oder auch der Humanphysiotherapeut mit Staatsexamen sind 3 Jahre. 1 Jahr Schulbank und 2 Jahre Praxis. Bei den Tieren sieht es da anderst aus. Die „Versuchstiere“ muss man sich zusammensuchen und meistens sind es 2-3 Jahre Wochenendseminare gekoppelt mit Webinaren. Und zum Schluss? Kein staatlich anerkannter Abschluss … Man kann diese Ausbildungen/Studien leider nicht komplett vergleichen. Und was noch erschwerend hinzukommt, ist der Mangel von Dozenten im Tierbereich.

 

Oft dürfen schon Therapeuten unterrichten die gerade mal selbst fertig sind. Kaum Berufserfahrung und nicht viel Routine im Alltag. Ich finde es sehr schade, dass es nicht noch mehr ältere Dozenten gibt, die auf ihren Erfahrungen ihrer Laufbahn erzählen können. Natürlich könnte man argumentieren „Die Alten erzählen nur ihren Stand der Dinge“ „Was möchte man mit diesem alten Wissen“ und „Die bilden sich doch in dem Alter nicht mehr fort.“ Alles Sätze die ich schon oft gehört habe. Aber genau von diesen Dozenten nimmt man häufig am meisten mit. Es kann aber auch genauso gut anderstherum laufen. „Jung, fortgebildet und arbeitswütig“ gibt es genauso. Auch von solchen Dozenten kann man eine Menge mitnehmen. Also wie oben schonmal erwähnt, schwarz-weiß Denken hilft keinem weiter. Es gibt noch eine Menge dazwischen. Diese Denkweise kann man aber auf alles im Leben übertragen =)

 

Zurück zum Thema. Dieses Therapiechaos wie es eine Kollegin vor kurzem so schön nannte, schadet beiden Seiten. Das wichtigste bei der Wahl des Therapeuten sind immer noch folgende Punkte: Einfühlsamkeit ins Tier, sehr gute Anatomiekenntnisse, sehr gute Pathologiekenntnisse, Rücksicht auf die Beeinträchtigungen des Tieres, Kenntiss über die Grenzen der eigenen Fähigkeiten, rechtzeitig die Fälle weiterzugeben, wenn man nicht mehr helfen kann, Menschlichkeit und die dazugehörige Kenntniss, dass absolut keiner perfekt ist und jeder an sich zu arbeiten hat, das Wissen, dass keine Ausbildung perfekt ist und die Pflicht den Tierhalter entsprechend aufzuklären, dass nicht jede Technik für jedes Tier anzuwenden ist.

 

Wenn beide Seiten klar kommunizieren, ist es überhaupt kein Problem und der Gesundheit des Tieres steht nichts im Weg. Wenn alles nur so leicht wäre ^^ Die Realität sieht oft anderst aus. Ein kleines Fazit von mir: Aus meiner Sicht kann man keine Technik komplett in den Himmel loben und eine andere nieder machen. Es wird immer einen Therapeuten geben, der einen fantastischen Job macht und einen anderen der mit der selben Technik nicht gut zurecht kommt. Es wird immer Unstimmigkeiten geben, Perfektionismus gibt es nunmal nicht. Solange man sich nicht einig wird, wo man ausbildungstechnisch etwas Einheitliches einführen kann, wird es Chaos geben. Also wenn du einen Therpeuten findest, der dein Tier optimal behandelt, dann hast du den Jackpot. Ich kenne viele denen es anderst geht. Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen, wünsche dir jetzt noch einen schönen Tag und bis bald

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