Faszien

Sie sind in aller Munde. Faszien. Was es mit ihnen auf sich hat, welche Funktionen haben sie und wie beeinflussen sie den Körper? Woran erkennt man, dass ein Tier Problemen mit Faszien hat und was kann der Tierhalter für sein Tier Gutes tun?

      

Überall, egal ob Fitness, Training oder im medizinischen Bereich. Seit ein paar Jahren dreht sich viel um Faszien. Sie können mit einer Vielzahl an Möglichkeiten unterstützt und behandelt werden. Faszienrolle, Igelball oder Massagen. Es gibt soviele Möglichkeiten, Faszien im positiven zu beeinflussen. Allerdings sind auch die negativ Einflüsse auf Faszien nicht unerheblich. Ich möchte mit diesem Beitrag aufklären und erklären, warum ich keine Faszienrollen mehr am Tier benutze. Es gibt viele Aspekte die beachtet werden müssen, aber eine Tatsache ist bei Faszien unumstößlich: Ohne Faszien würde der Körper in sich zusammen sinken.

 


Was sind Faszien?

 

Faszien werden im wesentlichen aus 3 Bereichen gebildet:

 

Bewegliche Anteile

Fixe Anteile

Interzellulärsubstanz

Makrophagen, Leukozyten

Fibroblasten,

Fibrozyten

Extrazelluläre Matrix

Lymphozythen

Chondrozyten

 

Granulozyten

Osteozyten

 

Mastzellen

Fettzellen

 

      


Laut Definition sind Faszien erstmal nur ein Band, Verbund oder auch Bündel. So wird der Weichteil-Komponent des Bindegewebes genannt, dass den Körper wie ein Netzwerk komplett durchdringt. Eine Faszie besteht zum Großteil aus Fibroblasten. Diese produzieren hauptsächlich kollagene und elastische Fasern. Diese können ihre Arbeit aber nur gut verrichten, wenn eine gute Durchblutung, ein hoher Sauerstoffgehalt und ein hoher PH Wert (leicht basischer) vorhanden sind. Dann gibt es noch die Kollagenfasern. Diese bilden sich ähnlich wie Muskeln. Nur gibt es hier bündelweise parallel angeordnete Fibrillen, die zu einer Kollagenfaser werden. Diese ist nicht elastisch. Sie sind ein bisschen wie Stahlseile denn: 6kg/mm² bei einer Dehnungsfähigkeit von 3-5%. Deshalb gibt es noch die elastischen Fasern. Sie sind lang und dünn und können sich um die 100-150% ihrer Länge dehnen. So werden die Kollagenfasern geschütz. Warum verletzen sich dann aber alte Tiere? Es lagern sich mit der Zeit Kalziumsalze in die elastischen Fasern ein und vermindern nach und nach die Beweglichkeit.

      

Anatomische Erklärung:

 

Die Fascia trunci externa liegt unter der Haut (Epidermis, Corium, Subcutis). Diese teilt sich nochmal in eine Fascia trunci superficialis und Fascia trunci profundus auf. Anschließend kommt die Skelettführende Muskulatur. Hier schließt die Fascia trunci interna an.

      

-Fascia trunci externa( Fascia trunci superficialis):

 

Diese enthält den Hautmuskel M.cutaneus trunci, besteht aus lockerem Bindegewebsverbindungen und Fettgewebe. Diese Schicht liegt locker auf den unteren Schichten auf. Hier arbeitet hauptsächlich der Therapeut. Hier werden Reserven von Fett und Wasser angesammelt. Sie ist aber auch ein Durchgang für Lymphe, Nerven und Blutgefäße, ausserdem ist sie auch Puffer und Dämpfer.

      

 -Fascia trunci externa (Fascia trunci profundus):

 

Diese Faszienschicht legt sich wie eine Art schützender Umhang um den Körper. Vom Kopf angefangen, den Hals hinunter, verschmilzt mit der Schulterfaszie und bis in die Lendengegend. Dort verschmilzt sie mit der Faszia thoracolumbalis.

      

-Fascia trunci interna

 

Diese Faszieschicht umhüllt alle Organe, Muskeln, Gefäße, Nerven und ist mit dem Skelett verbunden. Vorallem den großen Knochenvorsprüngen. Es bildet zum Teil die Haut, die den Knochen schützen und sehr stark von den Nerven innerviert wird. Sie sorgt auch dafür das jedes Organ ungestört seine Arbeit machen kann, ohne negativ beeinflusst zu werden. Eine Art Trennung voneinander und zugleich Verbindung, dass nicht unnötig viel Halteenergie braucht. 

Es ist ein so vielseitiges Funktionssystem. Es besitz seinen eigenen Rhythmus. 8-12 Zyklen die Minute. Faszien sind in erster Linie dafür da, den Körper zu stabilisieren und die Strukturen untereinander zu verbinden. Organe, Muskeln, Sehnen, Bänder und auch Nerven können durch Faszien viel besser untereinander interagieren. Sie sorgen mit ihren Bindegewebshüllen ausserdem dafür, dass Muskeln ohne Probleme aneinander vorbeigleiten können. Sie bilden eine Art Schlauchtasche und sorgen für einen reibungslosen Ablauf im Gewebe.

 

Es gibt verschiedene Aufgaben die Faszien im Körper erfüllen. Sie sorgen dafür das Organe ihre anatomische Struktur behalten und befestigen diese am Skelettsystem. Es ist ein körperweites Netzwerk, dass alle Strukturen miteinander verbindet. Daher spielen Faszien auch eine große Rolle in der Hämodynamik. Darunter versteht man die Beteiligung von Faszien an dem Lymph- und Venensystem. Es bildet eine Art periphere Pumpe. Je elastischer eine Faszie desto besser funktioniert der Venen- und Lymphfluss. Sollten Faszien aus verschiedensten Möglichkeiten nicht richtig funktionieren, beinflusst das maßgeblich auch den Venen- und Lymphabfluss. Die in ihnen enthaltenen Makrophagen, Mastzellen, Granulozyten und Lymphozyten helfen zum sehr großen Teil bei der Immunabwehr.

 

Ihre Beweglichkeit hängt zu sehr großen Teilen, von der Elastizität der Faszie ab. Sollte eine Faszie komplett verklebt und verspannt sein, wird hier ein gutes Eintrittsfeld für Krankheitserreger enstehen. Im Fasziensystem sind auch ein Großteil der Rezeptoren zuhause. Diese sind quasi kleine Zellen die Veränderungen wahrnehmen. Vorallem die Schmerzrezeptoren. Faszien sind eines der empfindlichsten Organe des ganzen Körpersystems und geben viel mehr Informationen weiter als uns bisher bekannt. Die meisten Rezeptoren reagieren auf Druck- und Zugveränderungen. Diese nennen sich Ruffini-, Golgi-, Pacini- und interstitiellen Rezeptoren. Das Ziel der myofaszialen Techniken ist es durch Korrektur von Fehlspannungen, Gewebsirritationen wieder rückggängig zu machen. Also eine Art Neustart für die Rezeptoren.


Es gibt noch eine sehr große Funktion der Faszien. Diese beeindruckt mich nach wie vor am meisten. Das zelluläre Gedächtniss. Dieses speichert jedes Trauma, jede Distorsion (Stauchung des Gewebes) egal wie groß und welches Ausmaß. Diese werden vom Körper bis zu einem gewissen Maß verarbeitet. Aber auch dieses Regulationssystem hat eine Grenze. Sollte eine Stauchung/ Verletzung darüber hinaus gehen, wird das Gewebe jedesmal reagieren, wenn es dort nur kurz berührt wird. Dieser Prozess hat mit der Zeit degenerative und pathologische Prozesse zur Folge. Ein solcher Vorgang kann gestoppt werden, wenn Faszien rechtzeitig behandelt werden.

 

Woran erkenntst du also, dass es ein Problem mit Faszien gibt? So vielfältig ihre Aufgaben sind, so vielfältig können auch ihre Symptome sein. Von Leistungsabfall, über Berühungsempfindlichkeit, Lymphprobleme, angebliche Kreislaufschwächen, Gallen, Sattelzwang!, nach dem Sattelwechsel, nach dem Hufschmied, Verdauungsprobleme, Probleme beim biegen und stellen, Verweigerung des Geschirrs oder Halsband, Verhärtungen im Gewebe, seltsame erworbene Gangarten, langsam anfangende Lahmheiten u.v.m.

Eine Faszie freut sich meistens über Wärme und Massagen. Eine kleine Ausnahme gibt es, große entzündliche Prozesse. Hier sollte ein Tierarzt mit ins Boot geholt werden, der genau prüft ob nicht etwas schlimmeres vorliegt. Eine simple Massage kann hier sehr gut bei einer Faszie abhilfe schaffen, da das hauptsächliche Probleme meistens Verklebungen und Verhärtungen sind. Diese können gut behandelt werden, brauchen aber Zeit zum Abbau.

 

Eine kleiner Nebeneffekt bei Massagen, der oft vergessen wird, ist der Muskelkater. Es gibt Menschen, die sich viel um ihre Tiere kümmern, aber vergessen das Masse nicht gleich klasse ist. Auch wenn wir von Faszien sprechen, diese können durch ihre Abfallstoffe genauso Muskelkater verursachen. Und da man meistens Muskel und Faszie meistens nicht getrennt voneinander massieren kann, kommt eins zu anderen.


Es gibt eine Vielzahl an Produkten auf dem Markt, um Faszien zu behandeln. Ich empfinde die meisten allerdings als zu grob. Durch meinen Mann und seine Praxis kenne ich eine ganze Reihe an Menschen, die sich schon grün und blau gerollt haben. Klar nach 3 Wochen ohne blaue Flecke ist es besser, allerdings wurde die Faszie hier auch gnadenlos auseinander gerissen. Blutgefäße wurden verletzt und bluteten ins Gewebe. Natürlich kommt es auf den Druck und den Benutzer an. Dennoch geht das auch weitaus einfacher und schmerzärmer. Massagen oder myofasziele Faszientherapie. Allerdings braucht man hier einen Therapeuten.

 

Für beides braucht man aber ein wenig Geduld. Leider ist diese Eigenschaft heutzutage sehr rar und das Tier muss innerhalb einer Behandlung wieder perfekt laufen. Das ist allerdings ein anderes Blogthema. Also lieber gedulden, dass Gewebe nicht alzu sehr stressen und dran denken wie lange Probleme ignoriert werden, bis man sich durchringt etwas dagegen zu tun. Den entzündliche Prozesse die erstmal ins Rollen gekommen sind, lassen sich schwer auffangen.


Ich finde es bedenklich wie viele Tiere mittlerweile ein Problem mit dem Fasziensystem aufweisen. Da Hunde und Pferde beide wahnsinnige Kompensationskünstler sind, sollte man sich überlegen, wie lange eine Problem schon vorliegen muss, bis es sichtbar wird. Das Fasziensystem ist essentiell für den gesamten Körper und kann sich eigentlich keine Funktionsstörung erlauben. Ich glaube mittlerweile, dass eine Großzahl der Erkrankungen, ihren Ursprung im Fasziensystem findet. Wir wissen einfach noch nicht genug darüber.

 

 

 

„Faszien sind der Ort, in dem man die Ursache der Krankheit suchen muss,

sie sind aber auch der Ort, an dem die Heilung beginnt“

Dr. Andrew Taylor Still

 

 

 

Falls du noch Fragen zu diesem Thema hast, schreibe mir eine Email.

 

Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit. Magda

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